Mobilität auf dem Land – eine große Aufgabe nicht nur fürs Caritas Kinderdorf – Caritas Kinderdorf Irschenberg

 

Mobilität auf dem Land – eine große Aufgabe nicht nur fürs Caritas Kinderdorf ***

Pressemitteilung 17.12.2025

Philippe ist im Alter von sechs Monaten ins Kinderdorf gekommen. Zurzeit lebt der 19-Jährige mit acht anderen Kindern und Jugendlichen in einer der Familiengruppe in Irschenberg, hat gerade seinen Führerschein gemacht und absolviert eine Ausbildung, für die er nach München muss. Nicht ausreichend mobil zu sein, hat ihn über Jahre beschäftigt. Ein Bündel an Maßnahmen könnte für eine grundsätzliche Verbesserung sorgen.

v.l. Erzieherinnen Martina Seidl-Stahuber und Svenja Reichmacher mit Philippe in Haus 9 im Caritas Kinderdorf IrschenbergWer auf dem Land wohnt und Kinder hat, vielleicht sogar mehrere, der weiß, dass man viel Zeit damit verbringt, diese mit dem Auto zur Schule, Ausbildung und zu ihren Hobbies zu fahren. So auch im Caritas Kinderdorf, wo rund 80 Kinder und Jugendliche gerne mobiler sein würden. Dorfleiterin Pia Klapos ist es eine Herzensangelegenheit sie dabei zu unterstützen, kennt aber auch die Probleme: „Die schlechte Anbindung Irschenbergs an den ÖPNV macht unserer Einrichtung sehr zu schaffen, denn wir müssen große finanzielle und personelle Ressourcen aufbringen, damit die Kinder von unserem Personal zu ihren Terminen gefahren werden können. Dies hat auch hohen organisatorischen Aufwand zur Folge. Natürlich fahren unsere pädagogischen Fachkräfte nach Möglichkeit die Kinder. Das geht allerdings nur in einem sehr begrenzten Rahmen, denn sie können die anderen Kinder in den großen Familiengruppen keinesfalls allein lassen“, erläuterte die Dorfleiterin.

Bild: v.l. Erzieherinnen Martina Seidl-Stahuber und Svenja Reichmacher mit Philippe in Haus 9 im Caritas Kinderdorf Irschenberg, 
F. Lintz

Dazu zählt Philippe nicht mehr. Der 19-Jährige absolviert gerade eine Ausbildung bei der Deutschen Bahn in der Landeshauptstadt zum Lokführer im Fernverkehr für den ICE und IC, die er im September letzten Jahres begonnen hat. Philippe war lediglich ein halbes Jahr alt, als er mit seinen Geschwistern ins Kinderdorf gekommen ist. Dieses ist für ihn inzwischen zur Heimat geworden: „Ich liebe Irschenberg, die schöne Aussicht und die frische Luft. Wenn man noch etwas mehr machen könnte, wie Freunde treffen, dann wäre es hier perfekt.“

Wie jeden Wochentag ist er heute um 5:00 Uhr aufgestanden, um mit dem Taxi nach Miesbach und von dort mit der Bayerischen Regiobahn nach München zu fahren. Die Kosten für die Taxifahrt nach Miesbach betragen 25 Euro. Zurück kann er am späten Nachmittag mit dem Bus nach Irschenberg fahren.

Um seinen Pkw-Führerschein zu finanzieren, hatte er vor dem Beginn seiner Ausbildung bereits in einer Bäckerei gejobbt, die fußläufig zu erreichen war. Denn grundsätzlich gilt, dass das Kinderdorf bis zu 2.500 Euro der Kosten übernimmt, den Rest müssen sich die Jugendlichen selbst erarbeiten.

In Philippes Wohngruppe sind 9 Kinder. Die Jüngsten sind 8 Jahre alt. Für sie ist er eine Art großer Bruder, der ihnen beim Lesen üben hilft und schon einmal gemeinsam mit ihnen kocht. Erzieherin Martina Seidl-Stahuber beschreibt ihn als offenen, hilfsbereiten und liebenswerten Menschen, mit dem man sich gut unterhalten kann.

Svenja Reichmacher, die seit neun Jahren ebenfalls als Erzieherin in der Familiengruppe „Fidelis“ in Haus 9 arbeitet, kennt die Nöte der Kinder und Jugendlichen, wenn es um deren Mobilität geht. „Wir möchten ja, dass sie Kontakt zu Freunden haben und gemeinsam mit ihnen etwas unternehmen. Sie sollen ihr eigenes soziales Netzwerk aufbauen, aber das ist schwierig, weil man hier nicht so leicht wegkommt“, weiß die Erzieherin.

Erleichterung soll der neue Personenbus bringen, der dem Kinderdorf gespendet wurde. Gemeinsam mit der Gemeinde Irschenberg werden derzeit Ehrenamtliche gesucht, die Kinder, Jugendliche sowie Senioren in Irschenberg damit fahren. Das wäre eine große Erleichterung für alle Pädagogen, ist sich Reichmacher sicher, denn gerade erst stand sie vor dieser Situation: „Unser Zweitältester hatte vor kurzem seine Theorieprüfung für den Führerschein, und zwar am frühen Morgen. So etwas stellt mich vor eine Herausforderung, denn in der Zeit bin ich beschäftigt, bis alle aus dem Haus sind mit Schulsachen packen, Frühstück machen und Pause herrichten.“

Der Gemeindebus kann für die Kinder und Jugendlichen einen großen Unterschied machen, das glaubt auch Philippe: „Die müssen endlich nicht mehr die Eltern ihrer Freunde bitten, sie abzuholen, kommen mal raus, können nach Miesbach oder Brückmühl fahren.“ Den Hobbies nachgehen können oder zum Ausbildungsplatz gefahren werden, wie sein Mitbewohner Michi, der eine Ausbildung zum Parkettleger macht - das alles soll der neue Freiwilligen-Fahrdienst mit der Gemeinde ermöglichen.

Dorfleiterin Pia Klapos legt große Hoffnungen in das Projekt, hat aber noch weitere Pläne, die die Mobilität verbessern sollen: „Wir möchten es allen Betreuten ermöglichen, ihnen einen Zuschuss zum Führerschein zu geben. Das kostet viel Geld. Zudem haben wir E-Bikes, einen Motorroller und Kleinwagen angeschafft, mit dem die Älteren unterwegs sein können. Für all das sind wir ausschließlich auf Spenden angewiesen. Ich bedanke mich bei allen, die unsere Kinder hier gezielt unterstützen.“

Mit den Jahren ändern sich zudem die Bedürfnisse der Mädchen und Jungen und der gewünschte Aktionsradius. Während heute junge Menschen in den Städten nicht mehr unbedingt mehr einen Pkw-Führerschein machen müssen, sieht es im ländlichen Raum anders aus. Klapos ist überzeugt: „Für die Jugendliche hier ist es ein wichtiger Schritt in die Selbstständigkeit. Wie die meisten Eltern sehen wir uns hier in der Verantwortung, ihnen dabei zu helfen. Die Zahl derer, die jedes Jahr einen Führerschein machen, stellt uns jedoch vor finanzielle Probleme, denn wir sprechen hier mittlerweile von 2.500 bis 4.000 Euro pro Jugendlichen.“

So hofft die Dorfgemeinschaft auf Spenden in der Weihnachtszeit, die das und viele andere Projekte im Kinderdorf erst ermöglichen.

Unter https://www.kinderdorf-irschenberg.de/de/spenden stellen wir Ihnen dauerhaft unsere Projekte vor, für die wir UnterstützerInnen suchen. Infomieren Sie sich hier -> https://www.kinderdorf-irschenberg.de/de/spenden. Es öffnet sich die Website des Kinderdorfs des Caritasverbandes München.

 

Kontakt:
Caritas Kinderdorf Irschenberg
Florian Lintz
Miesbacher Str. 22
D-83737 Irschenberg
Tel.: 08062 9089-10
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Web: kinderdorf.de
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