Oktober 2018 * Griechenlandreise zum Erfahrungsaustausch *

Bericht unseres Verwaltungsleiter, Hannes Klapos: Ziel der Reise: Mit dieser Reise haben 18 Mitarbeiter des Caritas Kinderdorfes in Irschenberg einen Erfahrungsaustausch mit Fachkräften in gleichen oder ähnlichen Einsatzgebieten der Jugendhilfe machen können und gleichzeitig einen Einblick in das griechische Tätigkeitssystem erhalten. Insbesondere sollten dabei die Rahmenbedingungen der Arbeit im Rahmen der Jugendhilfe in Griechenland inhaltlich und konzeptionell kennengelernt werden. Im Umkehrschluss sollten auch Impulse des deutschen Jugendhilfesystems und unsere aktuellen pädagogischen Ansätze und Herausforderungen mit jenen in Griechenland abgeglichen und Unterschiede in der Herangehensweise aufgezeigt werden. Ein weiterer Schwerpunkt war auch die in Griechenland sehr gut funktionierende Ehrenamtsarbeit in unseren griechischen Partnereinrichtungen. Weiterhin sollte auch der Weg für den Austausch einer Freizeitgruppe des Caritas Kinderdorfes Irschenberg mit unserer Partnereinrichtung „Initiative für das Kind“ im Sommer 2019 sondiert werden. Die Reise dauerte 6 Tage und führte uns zunächst zu unseren Kollegen/Kolleginnen von Caritas Hellas, dem SOS Kinderdorf Plagiari sowie unserer Partnereinrichtung „Initiviative für das Kind“ in Veria. In der Innenstadt von Thessaloniki wurden wir von unserer Kollegin, der Niederlassungsleiterin der Caritas Hellas Frau Dafni Chatziantoniou und einer Übersetzerin begrüßt. Dabei konnten wir uns einen Einblick insbesondere in die Flüchtlingsarbeit der Caritas Griechenland verschaffen.

 

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Fachliche Diskussion rund um das Thema Flüchtlingsarbeit in Griechenland mit der Niederlassungsleiterin
und Psychologin der Caritas Griechenland Frau Dafni Chatziantoniou..

 

Der Schwerpunkt der Arbeit liegt hier in der Integration von Flüchtlingen in das Berufs- und Alltagsleben, der Ausbildung und Qualifizierung von Flüchtlingen sowie der Rechtsbeistand in Fragen zur Erlangung des Asylstatus in Griechenland. Die Caritas Griechenland betreibt u.a. auch die soziale Begleitung von Flüchtlingen im Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos. Als nächste Einrichtung besuchten wir das nordgriechische SOS Kinderdorf in Plagiari, welches 1997 eröffnet wurde und dort 7 Kinderdorffamilien betreibt. Dort wurden wir vom Kinderdorfleiter Herrn Akis Drepanidis empfangen. Im Mehrzweckraum des Kinderdorfes konnten wir mit einer weiteren Mitarbeiterin eine sehr interessante Diskussionsrunde über die Kinder, Elternarbeit und das öffentliche Jugendhilfesystem in unseren Ländern führen und Vergleiche darstellen. Wesentliche Unterschiede sind dabei, dass die Kinder in Griechenland dauerhaft in der Einrichtung verbleiben und nur äußerst selten zur Herkunftsfamilie oder Verwandten zurückgeführt werden. Das SOS Kinderdorf Plagiari finanziert sich zu 100 % über Spenden. Staatliche Zuschüsse sind nicht vorhanden. Die Lebensmittel für die täglichen Bedarfe werden i.d.R. zu 100 % von der umliegenden Bevölkerung gespendet. Von der inhaltlichen Ausgestaltung werden die Kinder in diesem Kinderdorf betreut wie bei uns in Deutschland mit dem Unterschied, dass in Griechenland die meisten Mitarbeiter keine ausgebildeten Fachkräfte sind. Das Kinderdorf Plagiari bietet ähnlich wie wir in Bayern Betreutes Wohnen für Jugendliche in Thessaloniki an. Im Anschluss an unsere Diskussion konnten wir bei strömenden Regen noch einen kurzen Spaziergang im Kinderdorf machen. Ein Schwerpunkt unserer Reise war der Besuch und Austausch mit unseren Kollegen/-innen von der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung „Initiative für das Kind“ in Veria. Am ersten Tag konnten wir die stationäre Wohngruppe für Kinder und Jugendliche in Vergina (nahe Veria) besuchen und uns von der Arbeit und den Räumlichkeiten ein Bild machen. Im Fokus stand dabei der Fachkräftebedarf und Fachkräfteausbau in dieser Einrichtung welche zu 1/3 durch den griechischen Staat und der Rest durch EU Projekte und Spenden finanziert wird. In dieser Einrichtung konnten in den vergangenen 2 Jahren bereits eine Erzieherin und ein Sozialpädagoge des Caritas Kinderdorfes Irschenberg für einen Monat hospitieren. Im Gegenzug konnten eine Sozialarbeiterin und eine Kinderpsychiaterin der Einrichtung einen Monat lang im Caritas Kinderdorf Irschenberg mitarbeiten.

 

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Die Kolleginnen und Kollegen sowie Ehrenamtliche unseres Kooperationspartners „Initiative für das Kind“ hieß das
Caritas Kinderdorf Irschenberg vor dem Wohnhaus in Vergina willkommen.

 

In der Einrichtung in Vergina werden derzeit Zeit 18 Kinder vollstationär betreut. Anschließend besuchten wir noch einen Verkaufsladen der Einrichtung in welchem Ehrenamtliche aus ganz Griechenland Kunstwerke, Schmuck und anderes zum Verkauf zur Verfügung stellen, um der Einrichtung finanziell unter die Arme zu greifen. Ein Netzwerk von ehrenamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen stellt neben den hauptamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen den Betrieb der Einrichtung sicher. So wird die komplette Küchenversorgung und vieles mehr ehrenamtlich durchgeführt. Im Rahmen unserer Kooperation mit der Einrichtung „Initiative für das Kind“ wurden Vorgespräche für einen Austausch einer Kindergruppe in den Sommerferien 2019 geführt, die auf ein starkes gegenseitiges Interesse stieß. Am zweiten Tag konnten wir unseren Erfahrungsaustausch in der Tagesstätte der Einrichtung in Veria fortsetzen. So erklärten uns die dort tätigen Fachdienstmitarbeiterinnen deren pädagogische Konzepte und Arbeitsweisen sowie die nicht immer leichten Rahmenbedingungen unter welchen sie ihre Arbeit verrichten müssen. Die Kinder der Tagesstätte hatten ein Holzhäuschen und Tonfiguren gebastelt, die uns mit dem Auftrag übergeben wurden die Tonfiguren durch die Kinder im Caritas Kinderdorf Irschenberg farblich zu gestalten und im Anschluss nach Griechenland zurückzusenden. Ein Symbol um auch unsere Kinder an dem Austausch teilhaben zu lassen. In den Diskussionen mit unseren Kolleginnen und Kollegen in Griechenland konnten wir in unserer täglichen Arbeit in Deutschland durchaus Parallelen, aber auch enorme Unterschiede gerade im Bereich der staatlichen Rahmenbedingung, Finanzierung und Ehrenamtsarbeit herausarbeiten. Wichtig war es auch gegenseitig Impulse für die weitere Entwicklung unserer Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe in beiden Ländern zu geben, was uns durchaus gelungen ist. Durch diese Reise wurde ein weiteres Fundament für den Ausbau unserer länderübergreifenden Zusammenarbeit gelegt. Die Reise wurde durch einen großzügigen finanziellen Zuschuss durch ein Sonderprogramm des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) ermöglicht.